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Aktuell
Schattenboxen in Salem
VON HANSPETER WALTER
Salemer_Gespraeche.jpg
Bild/Author: Walter
Diskutierten mehr über die aktuelle Finanzkrise als über die Zukunft der Gewerkschaften: (von links) Uwe Scheufele (Betriebsrat bei Boehringer Ingelheim), Unternehmer Harald Marquardt, Moderator Siegmund Gottlieb, Regina Görner und Oliver Stettes.

Salem - Die Zukunft der Gewerkschaften war das eigentliche Thema bei den "Salemer Gesprächen" der Wirtschaftsjunioren Bodensee-Oberschwaben. "Haben die Gewerkschaften den Zug verpasst?" lautete die zugespitzte Leitfrage. Doch bisweilen schien die Podiumsdiskussion zu einem Schattenboxen zu werden, denn die geplante Kontroverse verblasste hinter dem, was das Publikum derzeit viel mehr bewegt: Die Zukunft des ganzen globalisierten Banken- und Finanzsystems und die absehbaren Folgen für die heimische Wirtschaft.

Symptomatisch für den Perspektivwechsel des Abends war schon die Rolle von Moderator Siegfried Gottlieb, Fernseh-Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks. "Müssen wir am Sachverstand unserer Eliten zweifeln?" fragte Gottlieb und stellte klar: Er meine hier nicht die in der Politik, sondern die in der Wirtschaft. "Wieviel Staat braucht die Wirtschaft?" nahm der Moderator auch sonst manche für ihn eher ungewohnte Blickwinkel ein.

Ein "Armutszeugnis für alle" sah Unternehmer Harald Marquardt in der aktuellen Krise und forderte eine "geleitete Marktwirtschaft", in die man Regulierungsmechanismen einbauen müsse. Händeringend appellierte er an Banken und Wirtschaft, "durchzuhalten und nicht die Nerven zu verlieren. Wir müssen da durch." Auf den ersten Blick verquer wirkende Positionen, die der CDU-Gewerkschafterin Regina Görner (IG Metall) in die Hände spielten. "Behindert uns nicht", habe die Finanzwelt jahrelang getönt, erklärte die Frankfurterin. Nun flehe sie die Politik geradezu an: "Holt uns hier raus." Unerheblich war es da, dass Oliver Stettes (Institut der Deutschen Wirtschaft) sich noch mühte, eine Lanze für die Hedge-Fonds als Risikominimierer zu brechen, und sagte, man müsse "den Menschen ganz ruhig und sachlich erklären, was da passiert."

Am Ende bekam Moderator Gottlieb - zurück beim eigentlichen Thema - seine nachdrücklich eingeforderte Selbstkritik von Gewerkschafterin Görner zu hören. Der Mitgliederschwund sei wohl auch damit zu begründen, "weil wir nicht deutlich genug gemacht haben, dass unsere Stärke ganz entscheidend von der Präsenz in den Betrieben abhängt". Schon in seiner Einführung hatte Gunther Veit, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren, den Gewerkschaften empfohlen, sich doch lieber für die Standards der Arbeitsplätze in anderen Ländern einzusetzen: "Erst wenn die Gewerkschaften weltweit ähnliche Arbeitsbedingungen durchsetzen, lässt sich im unteren Lohnsegment eine Verbesserung schaffen." Sie sollten daher eher die internationale Zusammenarbeit intensivieren als hierzulande durch "überzogene Lohnforderungen" die Arbeitslosigkeit noch künstlich voranzutreiben.

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