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Ich habe gerade meine letzten Aktien auf dem Tiefststand verkauft." Stefan Reinhold* hat die Panik erwischt. Die Panik, noch mehr zu verlieren, wenn die Kurse seiner Aktien ins Bodenlose rasen. Reinhold ist ein erfolgreicher Unternehmer aus der Bodenseeregion. Von seinem Vermögen lag nur noch ein kleiner Teil an der Börse, bis der Dax unter die 5000-Marke rutschte. Er weiß, viele Experten raten, jetzt nicht zu verkaufen. Er weiß auch, Panik ist ein schlechter Ratgeber und dass die Kurse wieder steigen werden. "Ich verliere aber mein Geld, nicht das irgendwelcher Bankberater." Das zerrt an den Nerven. Lieber ein Minus von 5 Prozent als am Ende der Totalverlust. Auch Reinholds Bruder Peter* hat sein hauptsächlich in Aktien investiertes Geld jetzt auf einem Tagesgeldkonto mit 5 Prozent Verzinsung geparkt. Dort wartet es auf ruhigere Zeiten. "An der jetzigen Situation ist nichts mehr prognostizierbar", begründet er seinen Schritt. Die Brüder kamen durch den Verkauf ihrer Unternehmensanteile vor acht Jahren zu ihrem Vermögen. "Wir wollten das Geld so anlegen, dass wir nicht so lange arbeiten müssen wie die Anderen." Guter Plan, aber bis zum Ziel ein weiter Weg. "Erst steckten wir alles in einen Venture Capital Fonds. Zugegeben, das war sehr riskant." Aber es war die Zeit, als sich die Internet-Blase aufblähte. An den Börsen wurden enorme Gewinne gemacht. "Dann ging es schnell wieder runter. Wir haben rechtzeitig die Notbremse gezogen, sind ohne große Verluste oder Gewinne raus", erzählt Stefan. Danach hatten die Brüder genug vom Risiko. Lieber das Geld sicher anlegen, damit später noch etwas übrig ist. "Wir entschieden uns für eine sehr konservative Strategie und ließen von einer Schweizer Privatbank unser Vermögen verwalten. Zum falschen Zeitpunkt: Als die Kurse nach dem Crash wieder nach oben schossen, schauten wir nur zu." Am Ende waren ihnen die Wachstumsraten zu gering. Die Möglichkeit, Geld am Staat vorbei im Ausland zur Seite zu schaffen, war für beide nie eine Option. "Wir wollen noch ruhig schlafen können." Schließlich fanden sie die passende Privatbank. "Wir wollten keinen Vermögensverwaltungsvertrag mehr, sondern mitbestimmen." Peter mit dem geringeren Vermögensanteil setzte auf Kapitalzuwachs. "Das war eine sehr aggressive Strategie. Ich hatte Glück, dass ich gleich am Anfang Gewinne realisiert habe, die mir als Puffer dienten." Innerhalb von vier Jahren habe er sein Vermögen verdoppelt. Ihm sei klar gewesen, welches Risiko er eingegangen ist. Die Möglichkeit eines Verlustes sollte man immer im Hinterkopf behalten. Ein anderes Ziel hatte sein Bruder Stefan: "Ich wollte einen bestimmten Betrag haben, aber auch nicht mehr. Einen kontinuierlichen Zuwachs." Er legte über die Hälfte seines Vermögens in Unternehmensanleihen an. Die bringen höhere Renditen als Bundesanleihen. "Ein gewisses Risiko muss sein, um zumindest die Inflation auszugleichen." Der Rest ruht auf dem Tagesgeldkonto. Da muss es sich nicht spektakulär vermehren, denn beide Brüder halten es wie Laotse: "Reich ist der, der weiß, wann er genug hat." Genug Vermögen hat auch Friedrich Acker*. Vor zehn Jahren verkaufte er sein gut laufendes Unternehmen. Jetzt steckt er seine Zeit in die Verwaltung seines Vermögens. Niemals würde er es einem Banker anvertrauen. "Ein Bankberater ist nichts anderes als ein Würstchenverkäufer mit einer Krawatte", zitiert er Martin Hüfner, den ehemaligen Chef-Volkswirt der Hypo-Vereinsbank. "Die wollen einem nur etwas andrehen, das ihnen eine möglichst hohe Provision beschert." Auch Acker hat sein Vermögen gestreut. Er hat Immobilien im Osten und in seiner Heimatstadt am Bodensee. "Das ist meine Altersvorsorge. Von den Mieten kann ich lustig leben", erzählt er. "Man muss die Häuser günstig kaufen, möglichst alte, die man renoviert und die so an Wert gewinnen. " Acker setzt auf Nummer sicher: Staatsanleihen, Sparkonten, Tagesgeld. Sein Aktienportfolio verwaltet er selbst, hat sich seine eigene Strategie zurechtgelegt: fast nur Dax-Werte und zu vorher festgelegten Werten kaufen und verkaufen. Wegen der Krise hat er 15 Prozent verloren, aber er wusste, welches Risiko er eingeht. Vermögenserhalt sei für ihn und seine Frau ganz einfach, sagt Acker: "Wir geben höchstens ein Drittel unseres Einkommens aus." Keine teuren Autos oder Klamotten. "Esse quam videri", schreibt er auf einen Zettel. "Mehr Sein als Schein." Er habe einige reiche Leute gekannt, die über ihre Verhältnisse gelebt haben. Das ganze Vermögen verprasst. Acker hat dafür lieber günstig Kunstgegenstände ersteigert: "Einige erwiesen sich im Nachhinein als richtiger Glückgriff." Und dann ist da noch sein "Spielgeld", mit dem er an den Börsen zockt. "Auch wenn ich es verliere, kann ich ruhig schlafen.", lächelt er und deutet an, dass es nicht nur Peanuts sind. Jetzt denkt er über die Gründung einer Stiftung nach. "Wenn ich mein Geld an das Finanzamt gebe, weiß ich nicht, was sie damit machen. Mit einer Stiftung kann ich Künstler oder Kindergärten unterstützen." Acker ist eben ein echter Geschäftsmann, der lieber alles selbst in die Hand nimmt. * Namen von der Redaktion geändert
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